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T.
C. BOYLE
DAS LICHT
Vom
richtigen Leben im falschen
Mit dem Roman «Das Licht» hat der amerikanische
Autor T. C. Boyle nach seiner bewährten Methode wieder eine Figur
der Zeitgeschichte in den Mittelpunkt gestellt, dessen Lebensdaten
folgend er seine Geschichte erzählt. Wobei es sich in diesem Roman
bei dem Promi um den Psychologie-Professor Timothy Leary von der der
Harvard-Universität handelt, der durch seine Experimente mit
Bewusstseins erweiternden Drogen zu trauriger Berühmtheit gekommen
ist. Der Buchtitel spielt auf Licht-Phänomene an, die im
Rauschzustand auftreten und von denen viele seiner Probanden
berichtet haben.
In der «Vorspiel» genannten Einleitung des Romans
wird berichtet, wie der Chemiker Albert Hofmann in Basel am
legendären «Bicycle Day», dem 16. November 1943, auf der Suche nach
einer Kreislauf-Stimulanz erstmals Lysergsäurediethylamid
hergestellt hat, das später unter der Bezeichnung LSD bekannt
geworden ist. Kurz vor Arbeitsende hat er damals seine Assistentin
informiert, dass er nun gleich im Selbstversuch die Wirkung der
neuen Substanz testen wolle. Nach einer Stunde war er in einen
bedrohlichen Rauschzustand gefallen, so dass es der Assistentin
geraten erschien, ihn bei seiner Heimfahrt mit dem Fahrrad zu
begleiten. Da seine Frau mit den Kindern unterwegs war, bat die
Assistentin die eilends herbeigerufene Nachbarin, den Arzt zu rufen.
Der hat ihm dann dringend empfohlen, sofort zwei Liter Milch zu
trinken, um damit die Rauschwirkung zu verringern.
Im ersten Teil des dreiteiligen, aus der
Perspektive des Doktoranden Fitz Loney und seiner Frau Joanie
erzählten Hippie-Romans werden die Anfänge einer sich um
Harvard-Professor Timothy Leary gebildeten Clique von
Gleichgesinnten geschildert. Der glaubt jedenfalls fest daran, mit
Hilfe von LSD das Bewusstsein erweitern zu können mit dem Ziel, sich
aus den gesellschaftlichen Zwängen zu befreien, also nach dem Motto
der frühen Beatniks mit «Sex, drugs and rock ’n’ roll» dem
Spießer-Leben zu entkommen. Prof. Leary lädt Fitz samt Frau erstmals
zu einer seiner berühmten Drogen-Partys in seine pompöse Villa ein.
Dort haben sich etwa zwanzig Leute versammelt, von denen Fitz einige
aus der Uni kennt. In einer kurzen Ansprache begrüßt der Gastgeber
die versammelte Runde und erklärt den Zweck des Treffens. Er wird
jedem Gast eine unbedenkliche Menge der neuen, damals noch nicht
verbotenen Droge in Form von Tabletten aushändigen. Alle mögen doch
bitte in einem Protokoll festhalten, wie sie sich zu Beginn und im
weiteren Verlauf - mit genauer Uhrzeit – jeweils gefühlt haben und
welche Bilder ihnen dabei erschienen sind. Fitz und seine Frau
werden mitgerissen von ihren Visionen, sie verlieren sogar die
Kontrolle und müssen sich im Haus spontan ein Schlafzimmer suchen,
um ihre ungeahnten sexuellen Phantasien unverzüglich auszuleben.
Nach dem erwartbaren Rauswurf aus der Elite-Universität Harvard geht
der charismatische LSD-Apostel mit seinen «Jüngern», zu denen jetzt
auch Fitz und Joane gehören, in ein Strandhaus nach Mexiko. Ganz am
Ende landet die Kommune in einer angemieteten
Vierundsechzig-Zimmer-Villa in Millbrook, New York, argwöhnisch
beobachtet von den Nachbarn und den Ordnungskräften, die Schlimmes
befürchten.
Der Autor erzählt seine Geschichte von
pharmakologisch ausgelösten Enthemmungen in einer knappen und,
gemessen an ihrer unkonventionellen Thematik von Rauschzuständen und
Visionen, in einer äußerst nüchternen, distanzierten Sprache. Das
gleiche geschieht auch bei den Schilderungen der Drogen-Ereignisse
in dieser Geschichte, die geradezu in einem Wissenschafts-Jargon
geschrieben sind. Zu all dem passt denn auch das erwartbare Ende des
Romans, das Spießer-Paar Fitz und Joane steht vor dem Scherbenhaufen
ihrer einst hoffnungsvollen Existenz. Es ist T. C. Boyle leider
nicht gelungen, die Chancen eines richtigen Lebens im falschen so
darzustellen, dass der Leser letztendlich psychologisch bereichert
ist!
2*
mäßig - Bories vom Berg -
21. August 2026

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