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PERCIVAL
EVERETT
AUSRADIERT
Literatur-Satire
der besonderen Art
Als bitterböse Satire über den Literaturbetrieb
wurde der im Original 2001 in den USA erschienene Roman von Percival
Everett kürzlich unter dem Titel «Ausradiert» auch auf Deutsch
veröffentlicht. Der Roman wurde inzwischen verfilmt, erhielt 2024
fünf Oscar-Nominierungen und wurde mit dem Oscar für das «Beste
adaptierte Drehbuch» ausgezeichnet. Der mit seinen 24 Romanen, aber
auch mit Erzählbänden und Lyrik bis dato in Deutschland kaum
bekannte Autor hat dann mit «James» voriges Jahr den Pulitzerpreis
erhalten, was die eilends erfolgte Neuerscheinung erklärt. Wobei
dieser Roman im Onlinehandel sogar als «Das Buch zum oscarprämierten
Film ‹American Fiction› bezeichnet wird, - also nicht als der Film
nach dem Roman, der ja viel eher da war! Die bisher einzige in den
Feuilletons erschienene Rezension der Frankfurter Rundschau ist
allerdings ein grandioser Verriss, und das Schweigen aller anderen
Zeitungen dürfte ja auch etwas zu bedeuten haben. So was macht einen
denn doch neugierig!
Der farbige Schriftsteller Thelonious Ellison,
von seinen Freunden wegen des gleichen Vornamens wie der berühmte
Jazzmusiker nur «Monk» genannt, galt schon von klein auf als
hochbegabtes Kind. Seine Schwester Lisa, mit der er sich bestens
versteht, ist Gynäkologin und betreibt mit ihrer Kollegin eine
Gemeinschafts-Praxis, in der legale Schwangerschafts-Abbrüche
speziell bei bedürftigen Frauen durchgeführt werden. Immer wieder
versammeln sich vor ihrer Praxis radikale Abtreibungs-Gegner und
bedrohen die beiden Ärztinnen. Monks Vater ist schon lange tot, der
schwule Bruder hat sein Coming Out, die Mutter erkrankt an Alzheimer
und Lisa wird in ihrer Praxis erschossen, Monk wird sich nun um
seine Mutter kümmern müssen. Dieser langsame Zerfall der Familie
bildet den einen Erzählstrang dieses Romans, der zweite beschäftigt
sich mit dem Literaturbetrieb als solchem und seinen für
literatur-affine Leser interessanten Interna. In beiden aber geht es
vor allem auch um die Suche nach Identität.
Professor Thelonious «Monk» Ellison hat fünf
intellektuell anspruchsvolle Romane über Schwarze geschrieben, die
gute Kritiken bekommen haben, die aber keiner lesen will, während
kitschige Ghetto-Romane voller Klischees hohe Auflagen erreichen.
Voller Wut über diese Ignoranz der Leserschaft und die Erfolge der
vielen Schundromane schreibt er selbst unter Synonym einen solch
grottenschlechten Ghettoroman und gibt ihm den provokanten Titel «Fuck».
Der Erfolg ist überwältigend, sein Verleger, der ihm immer schon
vorgeworfen hat, er sei «nicht schwarz genug», ist begeistert. Die
für seine Verhältnisse enorm hohen Auflagen bescheren Monk erstmals
einen schon lange erwarteten und auch dringend benötigten Geldsegen,
bringen aber ganz unerwartet auch einiges an Chaos in sein bisher
unspektakuläres Leben. Er hat einst sein Studium in Harvard mit
‹summa cum laude› abgeschlossen, interessiert sich für die Antike,
spielt mit wenig Erfolg Basketball und hört am liebsten Sinfonien
von Gustav Mahler und Jazz von Charlie Parker. Den Helden in seinem
Schundroman stellt er so vor: «Mein Name
ist Van Go Jenkins und ich bin neunzehn Jahre alt und ich geb n
Scheiß auf niemanden, nich auf dich, nich auf meine Mutter und nich
auf den alten Mann da oben im Himmel». Der als Roman im Roman, also
als «Fuck» in Gänze in «Ausradiert» enthaltene
Schundroman wird von der Kritik gefeiert,
er selbst sitzt sogar in der Jury, die über die Vergabe des
Literaturpreises zu entscheiden hat, und zieht vom Leder: «Das
ist kein schlechter Roman [ ] es ist überhaupt kein Roman. Es ist
ein missglückter Versuch, ein unfertiger Fötus [ ] ein Wort ohne
Vokale». Mehr Satire geht
nicht!
Ein Teil des Lesevergnügens ist den vielen
tagebuchartigen Notizen zu verdanken, die der Autor von «Fuck» in
seinen Text einstreut. Der raffiniert konstruierte Plot ist flüssig
lesbar und mit viel Sprachwitz angereichert, schießt mit seinem
originellen Gepräge zuweilen aber deutlich über das Ziel hinaus, was
so manchen Leser auf Dauer stören dürfte. Aber die Geschmäcker sind
nun mal verschieden!.
3* lesenswert - Bories vom Berg -
17. Mai 2026

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