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CHARLOTTE
WOOD
EIN WOCHENENDE
Ebenso
vorhersehbar wie freudlos
Die australische Schriftstellerin Charlotte Wood
hat mit ihrem Roman «Ein Wochenende» eine interessante Thematik für
ihre Geschichte gewählt. Sie umfasst zeitlich, der Titel sagt es
bereits, nur ein einzelnes Wochenende. In dem unzertrennlichen
Kleeblatt von vier älteren Frauen stirbt Sylvie, und Jude, Wendy und
Adele werden gebeten, deren altes Sommerhaus am Meer komplett zu
entrümpeln, damit es verkauft werden kann. «Nehmt Euch, was ihr
wollt», heißt es in der E-Mail von Sylvies Erben, «betrachtet es als
Ferien».
Zwei Tage haben die seit Jahrzehnten eng
befreundeten Frauen Zeit dafür, und zwar an Weihnachten, wo es in
dem auf der südlichen Halbkugel gelegenen Erdteil Australien ja
Sommer ist und damit in der Regel auch sehr heiß. Sie waren schon
oft in dem Haus von Sylvie, haben dort Weihnachten zusammen
verbracht oder auch Ferien gemacht. Obwohl sie sich untereinander so
gut kennen wie niemand anderen sonst, ist dieser Aufenthalt elf
Monate nach Sylvies Tod eine besondere Herausforderung für die drei
Freundinnen, die sich nun angesichts dieses eher ungewöhnlichen
Auftrags und der geänderten Konstellation ihrer langjährigen
Freundschaft auf neue Weise kennen lernen. Die Autorin lässt sich zu
Beginn viel Zeit, die Anreise der Frauen mit den verschiedensten
Verkehrsmitteln und deren individuellen Reise-Erlebnissen und
–Eindrücken zu schildern, was schon ein wenig auf ihre
charakterlichen Eigenarten hindeutet. Als sie dann glücklich alle
eingetroffen sind, ist zunächst alles wie immer, sie kennen sich ja
schließlich lange genug. Ihrem Wesen entsprechend verhalten sich die
Frauen dann aber recht unterschiedlich angesichts der bevorstehenden
Aufgaben. Die kapriziöse Schauspielerin Adele hat sich gleich auf
ihr Zimmer zurückgezogen, um sich im Bett liegend erstmal auszuruhen
und einzustimmen auf das, was bevorsteht. Und wie es ihre Art ist,
hat sie natürlich gleich auch das schönste Zimmer im Haus okkupiert.
Wendy hingegen, die als intellektuelle Schriftstellerin ein
erfolgreiches Buch nach dem anderen schreibt, ist mit ihrem
altersschwachen, kranken Hund Finn beschäftigt, den sie abgöttisch
liebt, der den anderen Frauen aber nicht zuletzt mit seinen
Hinterlassenschaften gewaltig auf die Nerven geht. Aber nicht nur
die Romanfiguren sind entsetzt, sondern auch der Leser, denn Finn
ist nun sozusagen der Vierte im Bunde der Frauen und wirkt
allenfalls als lästiger Störfaktor im Roman.
Nur Jude hat sich als einstmals erfolgreiche
Besitzerin eines angesagten Restaurants gleich an die Arbeit gemacht
und angefangen, die vorhandenen Konserven nach Verfallsdatum zu
sortieren. Wie zu erwarten kommt es während der beiden Tage zu
allerlei Enthüllungen, Geständnissen und Verdächtigungen zwischen
den befreundeten Frauen, vieles ist nicht so, wie es scheint. Es
sind all die Probleme, die da aufscheinen und von den anderen mehr
oder weniger gehässig kommentiert werden, es menschelt gewaltig in
diesem Roman. Die einst glamouröse Adele hat schon lange keine Rolle
mehr bekommen, ihre Zeit als Schauspielerin ist vorbei. Ihre
lesbische Geliebte hat sie am Abfahrtstag vor die Tür gesetzt, sie
steht jetzt plötzlich sozusagen auf der Straße, was sie den
Freundinnen natürlich schamhaft verschweigt. Aber auch Judes
finanzielle Großzügigkeit erweist sich in Wahrheit als aufgesetzte
Attitüde, nur dank ihres reichen Liebhabers, von dem die anderen
nichts wissen dürfen, kann sie sich ihren extravaganten Lebensstil
überhaupt leisten. Und die intelligente Wendy wiederum kommt partout
mit ihren erwachsenen Kindern nicht klar.
Der von Anfang an langweilige, profane Plot
wartet mit allerlei Klischees auf bei den psychischen Eigenheiten
seiner Figuren, die sich untereinander auf die Nerven gehen - und
bald auch dem Leser! Es fehlt ihnen deutlich an Charisma, um
sympathisch wirken zu können. Und der in allerlei Rückblenden
stocknüchtern erzählten, vorhersehbaren Handlung fehlt es zudem
leider an Humor, was diese Lektüre zu allem Überfluss letztendlich
völlig freudlos macht!
1*
miserabel- Bories vom Berg - 29. März 2026

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