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Neue Rezensionen

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   13. Januar 2025

Marko Dinic

Buch der Gesichter

1`miserabel

 

Danebengelungen

Der serbische Schriftsteller Marko Dinić hat mit »Buch der Gesichter» seinen zweiten Roman vorgelegt, der es immerhin auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2025 geschafft hat, das mit 461 Seiten gewichtigste Buch unter den für dieses Jahr nominierten. Ein historischer Roman, der um den denkwürdigen Frühlingstag des Jahres 1942 kreist, an dem Serbien von den Nazis für judenfrei erklärt ...  [weiterlesen]

   11. Januar 2026

Benjamin Labatut

Maniac

4* erfreulich

 

Mathematische Exkursionen bis hin zur KI

Der zweite, ins Deutsche übersetzte Roman des Schriftstellers Benjamin Labatut deutet mit dem Titel «Maniac» auf einen Super-Computer hin, der darin eine große Rolle spielt, er bedeutet im übertragenen Sinne aber auch Besessenheit. Beginnend mit den allesamt männlichen Koryphäen der Mathematik erzählt der Autor von deren schier unstillbarem Wissensdurst und von den immer neuen wissenschaftlichen ...  [weiterlesen]

   4. Januar 2026

Joyce Carol Oates

Der Mann ohne Schatten

2* mäßig

 

Überzogen anmutender Plot

Im riesigen Œuvre der erfolgreichen amerikanischen Schriftstellerin Joyce Carol Oates, die immer wieder mal als Aspirantin für den Nobelpreis gilt, nimmt der Roman «Der Mann ohne Schatten» thematisch eine Sonderstellung ein. Unverkennbar von ihrem zweiten Ehemann inspiriert, dem Neurowissenschaftler Charles G. Gross, erzählt sie darin die Geschichte eines Patienten, der an einer äußerst ...  [weiterlesen]

   30. Dezember 2025

Annett Gröschner

Schwebende Lasten

4* erfreulich

 

Spiegelbild eines Jahrhunderts

Mit dem seltsamen, aus dem Arbeitsschutz stammenden Begriff «Schwebende Lasten» hat die in Magdeburg geborene Schriftstellerin Annett Gröschner einen Roman betitelt, der am Beispiel ihrer Protagonistin ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte spiegelt. Hanna Krause, die Heldin dieses Romans, 1913 ebenda geboren und als 79Jährige nach dem Mauerfall gestorben, ist eine ...  [weiterlesen]

   23. Dezember 2025

Marion Poschmann

Chor der Erinnyen

1* miserabel

 

Fanal einer Autistin

Der dem magischen Realismus zugerechnete, aktuelle Roman von Marion Poschmann mit dem Titel «Chor der Erinnyen» erschien sechs Jahre nach ihrem Erfolgsroman «Die Kieferninseln», bei dem es mit Mathilda eine gleichnamige Protagonistin gab. Das neue Buch stellt deswegen aber in keiner Weise etwa eine Fortsetzung dar, die Thematik ist eine völlig andere. Der Titel spielt natürlich auf die ...  [weiterlesen]

   20. Dezember 2025

Jehona Kicaj

«ë»

3* lesenswert

 

Literarisches Kosovo-Tribunal

Der nicht abreißenden Flut von Migrations-Romanen fügt die albanisch-stämmige Autorin Jehona Kicaj mit ihrem autofiktionalen Debüt «ë» ein Buch über den Kosovokrieg und seine verheerenden Folgen hinzu. Der verloren wirkende, einzige Buchstabe des Titels «ë» weist durch seinen Zweipunk-Akzent im Albanischen darauf hin, dass er selbst unausgesprochen bleibt und das Gesagte lediglich phonetisch variiert, er wirkt ...  [weiterlesen]

   17. Dezember 2025

Colson Whitehead

Die Intuitionistin

1* miserabel

 

Eher wieder ein Flop

Schon in seinem jetzt in neuer deutscher Übersetzung vorliegenden Debütroman «Die Intuitionistin» hat der amerikanische Schriftsteller Colson Whitehead seinen Sinn für außergewöhnliche Themen bewiesen. Seinerzeit floppte der Roman allerdings hierzulande. Der inzwischen zweifache Pulitzer Preisträger siedelt nämlich das Setting seines Erstlings im Milieu der Fahrstuhlinspekteure New Yorks ...  [weiterlesen]

   14. Dezember 2025

Igiaba Scego

Kassandra in Mogadischu

4* erfreulich

 

Vom Jirro in der Diaspora

Der erste Roman der italienischen Schriftstellerin mit somalischen Wurzeln Igiaba Scego erschien voriges Jahr unter dem Titel «Kassandra in Mogadischu» auch auf Deutsch, er wurde nun mit dem Premio Strega 2025 ausgezeichnet. Als autofiktionales Werk beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Migration aus der Sicht einer farbigen Italienerin. Deren somalische Eltern hatten wegen des andauernden Bürgerkriegs ...  [weiterlesen]

   10. Dezember 2025

Tim Staffel

Wasserspiel

2* mäßig

 

Dystopischer Klima-Roman

Der vor allem als Hörspielregisseur bekannte Tim Staffel hat neben diversen Theaterstücken auch fünf Romane geschrieben, der aktuelle erschien kürzlich unter dem Titel «Wasserspiele». Was im Titel euphemistisch klingt, ist im Plot dieses visionären Romans eine knallharte und katastrophal endende Auseinandersetzung um die örtliche Mineralquelle und das bisher ungenutzte Tiefenwasser eines fiktiven Städtchens ...  [weiterlesen]

   8. Dezember 2025

Thomas Hettche

Sinkende Sterne

3* lesenswert

 

Wirkmächtigkeit von Literatur

Für seinen dystopischen Roman mit dem kryptischen Titel «Sinkende Sterne» hat Thomas Hettche ein kurioses Szenarium ersonnen, in dem er auf kunstvolle Art seine These von der universellen Schönheit herauf beschwört. Gleich zu Beginn wird er deutlich: «Was uns interessierte, war der Raum von Freiheit jenseits der Moral. Doch die Klugheit des Ästhetizismus ist schon immer auch seine Dummheit gewesen» ...  [weiterlesen]

   4. Dezember 2025

Anne Serre

Die Gouvernanten

4* erfreulich

 

Femin istisches Märchen

Der Debütroman der vielseitig tätigen, französischen Schriftstellerin Anne Serre, der 1992 in Frankreich von den Feuilletons als schwer einzuordnen angesehen wurde, kam erst 31 Jahre später nun endlich auch in deutscher Übersetzung heraus. Er wurde in den Buchkritiken hier als ein Roman voller Sprachlust gefeiert und als hoch willkommene Abwechselung von der aktuellen Schwemme ...  [weiterlesen]

   28. November 2025

Juli Zeh

Neujahr

1* miserabel

 

Fiasko der Selbstüberforderung

Der Roman «Neujahr» von Juli Zeh beginnt mit einem Neujahrsmorgen auf Lanzarote, als der Protagonist Henning früh zu einer Radtour aufbricht, um den Steilanstieg auf den nahe gelegenen Atalaya-Vulkan zu bewältigen. Die Tour endet mit einem Dèjá-vu, ihm wird bewusst, dass er schon einmal in seinem Leben dort gewesen ist. Als moderner, total überforderter Familienvater aus dem ...  [weiterlesen]

   23. November 2025

Tarjei Vesaas

Frülingsnacht

2* mäßig

 

Coming-of-Age-Geschichte voller Rätsel

Mit «Fr   28. Novermber 2025ühlingsnacht» wurde Anfang des Jahres bereits der vierte Roman des norwegischen Schriftstellers Tarjei Vesaas in einer gelungenen deutschen Übersetzung herausgebracht. Der Autor zählt in seinem Heimatland zu den bedeutendsten Schriftstellern überhaupt und wurde mehrfach auch für den Nobelpreis vorgeschlagen. Die deutsche Ausgabe wird durch ein wenig informatives, eher ärgerliches ...  [weiterlesen]

   20. November 2025

Anja Kampmann

Die Wut ist ein heller Stern

1* miserabel

 

Weder bereichernd noch unterhalt

Die Schrifts   23. November 2025

tellerin Anja Kampmann thematisier in ihrem Roman «Die Wut ist ein heller Stern» das Erstarken des Nationalsozialismus, das schlagartig mit der so genannten Machtergreifung am 30. Januar 1933 begann. In fünf Teilen, die mit den Jahreszahlen von 1933 bis 1937 betitelt sind, wird darin erzählt, wie in der Hamburger Hafenstadt das Leben der randständigen und auch der jüdischen Bevölkerung ...  [weiterlesen]

   17. November 2025

Fiona Sironic

Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald

3* lesenswert

 

Eine Dystopie mit Wumms

Der Debütroman der Schriftstellerin Fiona Sironic mit dem ellenlangen Titel «Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft» hat es auf Anhieb auf die Shortlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises geschafft. Eines jener aktuell prämierten Bücher, wie die Juryvorsitzende anmerkte, das «in psychologische, gesellschaftliche und politische Abgründe“ blicke. Wobei der Abgrund  ...  [weiterlesen]

   16. November 2025

Gesa Olkusz

Die Sprache meines Bruders

4* erfreulich

 

Kafkaeske, ich-bezogene Unbehaustheit

Lange zehn Jahren nach ihrem Debüt als Schriftstellerin ist mit «Die Sprache meines Bruders» der zweite Roman von Gesa Olkusz erschienen, er wurde für den diesjährigen Deutschen Buchpreis nominiert. Der schmale Band erzählt in sieben Kapiteln die ebenso einfache wie absurde Geschichte zweier Brüder, die in ihrer Rätselhaftigkeit und mit ihren Leerstellen unwillkürlich an Franz Kafka erinnert.  ...  [weiterlesen]

   14. November 2025

Toni Morrison

Tar Baby

4* erfreulich

 

Auf der Suche nach Identität

Der vierte Roman der amerikanischen Schriftstellerin Toni Morrison mit dem Titel «Tar Baby» ist in der aktuellen deutschen Ausgabe mit einem Vorwort der Autorin ergänzt worden. Darin schildert die erste farbige Nobelpreisträgerin die familiären Umstände, die sie dazu gebracht hätten, dieses Buch zu schreiben. Auslöser war demnach eine uralte Geschichte aus Afrika von einer Puppe aus Teer  ...  [weiterlesen]

   10. November 2025

Angela Carter

Die blutige Kammer

2* mäßig

 

Täter-Opfer-Umkehr

Als Neuauflage ist nach 56 Jahren der Sammelband «Die blutige Kammer» der britischen Autorin Angela Carter jetzt wieder in einer neuen Übersetzung auf Deutsch erschienen. Das Buch gehört zum Genre der Horrorliteratur, wobei das Besondere darin besteht, dass hier klassische Märchen in radikaler Weise in feministische Schauerliteratur umgewandelt wurden. «Es ging mir nicht darum», hat sie erklärt  ...  [weiterlesen]

  7. November 2025

Eugen Ruge

Cabo de Gata

2* mäßig

 

Magerer Plot und stilistisches Können

Mit dem Roman «Cabo de Gata», der eher als eine zielgerichtete Novelle anzusehen ist, hat Eugen Ruge ein autobiografisches Buch geschrieben, in dessen Widmung geschrieben steht: «Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war». Und so beginnen denn auch beinahe alle Sätze der Novelle mit den Worte «Ich erinnere mich». Ein angehender Schriftsteller (sic) mit Schreib-Blockade  ...  [weiterlesen]

   5. November 2025

Nell Zink

Sister Europe

3* lesenswert

 

Parodie auf den Literaturbetrieb

Mit «Sister Europe» hat die US-amerikanische Schriftstellerin Nell Zink einen literarisch unkonventionellen Roman vorgelegt, in dem sie grundverschiedene, skurrile Figuren in einer einzigen regnerischen und kalten Nacht ungebremst aufeinander treffen lässt. Die  am 21. Februar 2013 spielende, originelle Geschichte einer ominösen, zufällig entstandenen Gemeinschaft  ...  [weiterlesen]

   1. November 2025

Paul Ruban

Der Duft des Wals

1* miserabel

 

Total danebengelungen

Der kanadische Schriftsteller Paul Ruban hat seinen Debütroman «Der Duft des Wals» auf Französisch geschrieben und damit zuhause einen Überraschungs-Erfolg ausgelöst. Hier hingegen waren das Interesse der Feuilletons auffallend gering und die Meinungen in der Leserschaft ziemlich konträr. Der titelgebende Wal und sein «Duft», der in Wirklichkeit aber ein fürchterlicher Gestank ist, steht symbolisch für eine ...  [weiterlesen]

   24. Oktober 2025

Orhan Pamuk

Das stille Haus

4* erfreulich

 

Ein gar nicht stiller Roman

Der zweite Roman des türkischen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Orham Pamuk erschien 2009, erst 26 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, unter dem Titel «Das stille Haus» auch in deutscher Übersetzung. Nach eigenem Bekunden zählen hauptsächlich westliche Schriftsteller zu seinen Vorbildern, unter anderem auch Thomas Mann, an dessen ...  [weiterlesen]

   19. Oktober 2025

Annette Pehnt

Einen Vulkan besteigen

4* erfreulich

 

Am Rande des Schweigens

Mit ihrem Band von Kurzgeschichten unter dem Titel «Einen Vulkan besteigen» folgt die Schriftstellerin Annette Pehnt ihrem ganz eigenen Stil der radikalen Reduktion, zu dessen Vorbildern John Steinbeck gehört, dem sie als erste ihrer Veröffentlichungen ein eigenes Werk gewidmet hat. In abgemilderter Form erinnert ihr Stil auch an Castle Freeman, einen weiteren amerikanischen Autor, der ebenso ...  [weiterlesen]

   13. Oktober 2025

Alina Bronsky

Baba Dunjas letzte Liebe

3* lesenswert

 

Ein Wink an den Leser

Die in Russland geborene und seit Anfang der Neunziger Jahre in Deutschland lebende Alina Bronski hat mit «Baba Dunjas letzte Liebe» einen Roman geschrieben, der an das Reaktorunglück von Tschernobyl im April 1986 anknüpft. Sie beschreibt, wie alte Menschen trotz der Strahlung in die Todeszone zurückkehren und dort ihren Lebensabend verbringen. Der in dem fiktiven Ort Tschernowo ...  [weiterlesen]

  10. Oktober 2025

Thomas Melle

Haus zur Sonne

3* lesenswert

 

Sterben als Therapie

Schon zum dritten Mal hat Thomas Melle mit «Haus zur Sonne» einen Roman geschrieben, der sich mit psychischen Krankheiten auseinander setzt. Und zum dritten Mal ist auch ein Roman von ihm auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis gelandet. Schon in wenigen Tagen wird sich klären, ob sein Roman diesmal vielleicht sogar als Sieger hervorgeht. Wir haben es hier mit einer autofiktionalen Dystopie zu ...  [weiterlesen]

   4. Oktober 2025

Dmitrij Kapitelman

Russische Spezialitäten

3* lesenswert

 

Ein Roman mit Ukraine-Bonus

Der in Kiew geborene Dmitrij Kapitelman wurde mit seinem Roman «Russische Spezialitäten auf die Longlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises gewählt. In der autobiografisch inspirierten Geschichte wird der Ukrainekrieg thematisiert, dessen Ursachen und Wirkungen toxische Spuren hinterlassen bis hinein in die jüdische Familie des Ich-Erzählers. Mit dieser hochaktuellen Thematik ist dem Roman ...  [weiterlesen]

   1. Oktober 2025

Matthew Weiner

Alles über Heather

3* lesenswert

 

Eine unerhörte Begebenheit

Das Debüt des bisher nur als Drehbuchautor bekannten, amerikanischen Autors Matthew Weiner unter dem Titel «Alles über Heather» wird als Roman verkauft. Es handelt sich bei dem vom Verlag mit allerlei Seiten schindenden Layout-Tricks auf gerade mal 131 Seiten gebrachten, schmalen Band aber eher um eine typische Novelle, nach Goethe also «eine sich ereignende, unerhörte Begebenheit». In einem  ...  [weiterlesen]

 

 

 

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